Carrera 124 Motoren

Das halbjährlich stattfindende Carrera124 Revival brachte es gezwungenermaßen mit sich sich etwas mehr mit den Motoren dieser Fahrzeuge zu befassen. Manchmal liest man auch in Foren nicht ganz korrekte Äusserungen über silberne, goldene und schwarze Carrera-Motoren - wobei deren Ära etwas ausser Acht gelassen wird und es dadurch gerne zu Mißverständnissen kommt.
Nachfolgend möchte ich die üblichen Motoren welche in zeitgemäßen Carrera 124-Fahrzeugen eingebaut waren oder es als Zubehör zu erwerben gab etwas in Bild und Text erläutern.
Die nachfolgenden Informationen stammen aus eigener Erfahrung und aus Überlieferung Dritter. Eine Gewährleistung über die Richtigkeit aller Angaben besteht nicht.

Bühler Standardmotoren
Die Carrera124 Standardfahrzeuge waren überwiegend mit Motoren des Herstellers Bühler bestückt. Gängig sind Motoren mit schwarzem oder silbernem Gehäuse. Die Leistung dieser beiden Motoren ist nahezu identisch.
Diese Motoren sind für eine Fahrspannung von 18-20 Volt ausgelegt.
Zeitweise wurden in diesen Fahrzeugen auch Motoren der Fa. Weiß eingesetzt. Diese besitzen meißt ein schwarzes, etwas längeres Gehäuse als der Bühler-Motor und verfügen über ein höheres Drehmoment.
Links der Motor von Weiß - rechts der von Bühler.


HB Motor
Als stärkere Variante in gleicher Baugröße gab es von Bühler den HB Motor in goldenem Gehäuse. Dieser war teilweise auch in den Heimbausätzen enthalten. Der HB Motor erreicht bei gleicher elektrischer Spannung eine höhere Drehzahl als die schwarzen und silbernen Standardmotoren. Der HB Motor lässt sich bei einer Fahrspannung von 16-18 Volt sehr angenehm und flott betreiben. Dafür ist auch der alte Carrera Trafo Nr. 53711 gut geeignet (pro Spur).
Als Zubehörartikel verfügte dieser Motor über einen Aufkleber.
Die Farbe des Motorengehäuses veränderte sich im Laufe der Zeit durch äussere Einflüsse. So wurde aus der goldenen Gehäusefarbe eher eine kupfer bis dunkelbraune Farbe.
Die letzten Carrera Porsche 906 und Ferrari Dinos der Ära Neuhierl waren mit 'goldfarbenen' Motoren ausgestattet. Diese sehen einem HB-Motor in Neuzustand sehr ähnlich. Einfachstes Unterscheidungsmerkmal ist dann das Ritzel - beim originalen HB Motor mit 12 Zähnen. Allerdings kann das auch leicht getauscht werden. Der ebenfalls äusserlich baugliche Motor für die Carrera Universal verfügte über ein 8er Ritzel.
Auf der 'sicheren Seite' ist man beim Kauf von Rennfahrzeugen deren Motor die übliche Verfärbung aufweist. Im Foto links ein HB Motor mit verfärbtem Gehäuse - rechts im Neuzustand..


Rennmotoren
Die Carrera Renn- bzw. Heimbahnbausätze hatten im Laufe der Jahre eine unterschiedliche Bestückung mit Motoren.
Der einzige als 'Rennbausatz' beworbene McLaren M6A beinhaltete überwiegend den 'Hochleistungsmotor B' mit rotem Gehäuse in 16D-Baugröße.
Dieser Motor verfügte über eine sehr hohe Leistung - etwa einem gutgehenden zu damaliger Zeit weit verbreitetem 16D Motor von Mabuchi. Als leistungsgesteigerte Variante gab es den 'Hochleistungsmotor B Super' im Zubehörprogramm welcher mit einem gewuchteten Anker ausgestattet war. Das war Handarbeit!
Der Preis für diesen Motor lag lt. einem Prospekt von '71 mit DM 21,50 knapp unter dem eines Komplettfahrzeuges. Heute wird er auf Börsen mit über 50,-- Euro gehandelt.
Für den Einsatz zu Hause ist der Motor nicht geeignet. Selbst mit einer entsprechend kurzen Übersetzung ist ein harmonisches Fahren nicht möglich - wobei die Stromaufnahme bei über 5A liegt.

Gewuchteter Anker des 'Hochleistungsmotor B Super'
Mabuchi Motoren
Motoren des japanischen Herstellers Mabuchi waren in den 60 und 70ern weit verbreitet und in vielen Komplettfahrzeugen damaliger Hersteller zu finden. Üblich waren die Baugrößen 16D, 26D und 36D welche sich auch alle in den Carrera Heimbahnbausätzen wiederfanden.
Die von Carrera verkauften 16D und 26D Mabuchi Motoren waren für eine Spannung von ca. 13 Volt ausgelegt. Das war zur damaligen Zeit in Renncentern durchaus üblich da die Stromversorgung der Bahn meißt über Batterien stattfand. Für den Betrieb dieser Motoren auf der Heimbahn stand von Carrera der 3A liefernde Transformator Nr. 53712 zur Verfügung. Aber einer pro Spur sollte es schon sein!
Die 16D und 26D Motoren sind sehr drehfreudig. Mit entsprechender Übersetzung lassen sie sich aber auch gut auf kleineren Clubbahnen einsetzen.
Der 36D Motor von Carrera vermittelt dagegen kein so rechtes 'Rennfeeling'. Da er auch teilweise in Porsche Carrera 906 und Ferrari Dino in Startpackungen ausgeliefert wurde war er wohl entsprechend gutmütig für den Betrieb an 18 Volt ausgelegt.

Die Bezeichnungen 16D, 26D usw. sagt lediglich etwas über die Baugröße - nicht über die Leistung - des Motores aus und war stand meiner Recherchen lediglich eine interne Benamung von Mabuchi. Ich habe ein paar unterschiedliche, teilweise recht abenteuerliche Interpretationen dieser Bezeichnungen erhalten. Einen direkter Bezug bzw. Logik war allerdings in keinem Fall nachzuvollziehen.
Die Leistungen der Motoren können bei gleicher Baugröße durchaus sehr unterschiedlich sein - so ließen die damaligen Slotcar-Hersteller ihre Motoren mit ganz individuellem Leistungsdaten liefern. Oftmals mit einer eigenen Gehäusefarbe.
Gold und Gold
Umgänglich wird in der Carrera124-Szene oft vom 'goldenen Carreramotor' gesprochen. Damit ist der HB Motor gemeint. Es war aber schon oftmals in Foren über eine gewisse Verwechslung mit dem moderneren 'goldenen' Motor der Carrera Exclusiv-Baureihe zu lesen. Dieser Motor ist von Ikarachi und hat mit dem alten Bühler HB Motor nichts gemeinsam. Er passt nicht in das alte Carrera124-Chassis. Für die Verwendung in einem Carrera124-Rennchassis gibt es einen Motorhalter-Bausatz aus Carbon.
Beim Carrera124-Revival ist der goldene Ikarachi Motor nicht zugelassen!
Praxistipp
In der 'Tuning-Klasse' des Carrera124-Revival sind alle fünf Motoren welche Carrera bei den Renn-/Heimbahnbausätzen ausgeliefert hat zugelassen.
Unschwer auf den Fotos zu erkennen ist die unterschiedliche Baugröße - jeder Motor benötigt seinen eigenen Motorhalter für das Rennchassis. Abb.: 26D Motor.
Daher empfehle ich beim Kauf eines Motores darauf zu achten das er entweder komplett mit Halter ist oder man über den entsprechenden Motorhalter bereits verfügt. Einzelne Halter sind nur schwierig aufzutreiben.
Der HB Motor hat sich für unsere Rennstrecke in ES-Berkheim als idealstes Aggregat erwiesen.
© Text + Bild: Martin Münzer. Die Verwendung des Text- und Bildmaterials ist nur mit meiner Genehmigung gestattet.

Fortsetzung folgt


joomla template 1.6